Was ist thermischer Stress?
Wenn sich das Wasser erwärmt, bekommt der Fisch das zu spüren. Und im Gegensatz zu uns kann er nichts dagegen tun. Seine Körpertemperatur hängt direkt von der Temperatur seiner Umgebung ab. Jedes zusätzliche Grad wirkt sich daher unmittelbar auf seinen Organismus aus und verändert seinen Stoffwechsel, seine Lebensfunktionen und sein Verhalten.
Dieses Phänomen hat einen Namen: thermischer Stress. Eine 2023 im ?Journal of Fish Biology? veröffentlichte Metaanalyse, die 33 Arten umfasste, zeigt: Je näher sich ein Fisch seiner thermischen Grenze nähert, desto stärker steigt sein Cortisolspiegel (das Stresshormon). Eine physiologische Reaktion mit weitreichenden Folgen.

Winzige Abweichungen
Fische nehmen die Temperatur übrigens mit bemerkenswerter Genauigkeit wahr und sind in der Lage, selbst kleinste Schwankungen zu erkennen. Dieser Sinn ist von entscheidender Bedeutung: Verdauung, Wachstum und Nervenaktivität hängen direkt von der Wassertemperatur ab. So verdoppelt sich beispielsweise das Wachstum des Schwarzbarsches bei Temperaturen zwischen 20 und 23 °C, während der Hecht im Sommer seine Nahrung in zwei Tagen verdaut, im Winter hingegen in fast zwei Wochen.
Dieser Vorteil kehrt sich jedoch schnell um. Ab einer bestimmten Schwelle (etwa 25 °C bei der Forelle, 31 °C beim Hecht) gerät der Organismus außer Kontrolle. Der Fisch gerät dann in einen Hitzestresszustand.
Die erste Phase ist im Gange: Der Fisch zappelt, bewegt sich vermehrt, um kühlere Bereiche zu finden, und nimmt weniger Nahrung zu sich. Ist kein Ausweg möglich, setzt eine zweite Phase ein: Das Tier wird apathisch, schwimmt kaum noch, kann das Gleichgewicht verlieren und atmet schneller. Schließlich, im Endstadium, bleiben nur noch die lebensnotwendigen Bewegungen übrig. Selbst wenn der Fisch wieder unter gute Bedingungen gebracht wird, erholt er sich in der Regel nicht mehr.
Zu dieser thermischen Belastung kommt ein erschwerender Faktor hinzu: Sauerstoff. Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff enthält es, während Mikroorganismen gleichzeitig mehr davon verbrauchen. Das Ergebnis: Selbst eine theoretisch erträgliche Temperatur kann zu einer erstickenden Situation führen.

Konkrete Auswirkungen auf die Fischerei
Für den Angler hat dies konkrete Folgen. Ein bereits geschwächter Fisch erschöpft sich beim Drill viel schneller. Diese zusätzliche Anstrengung kann ihm zum Verhängnis werden, selbst wenn er wieder ins Wasser zurückgesetzt wird.
Unter diesen Umständen ist es unerlässlich, das eigene Verhalten anzupassen. Bei großer Hitze auf das Angeln zu verzichten oder einen Angelausflug zu verkürzen, ist ein wesentlicher Bestandteil verantwortungsbewussten Angelns. Wer heute die Fischbestände schont, gewährleistet die Qualität der Lebensräume und Bestände von morgen.

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