Ozeanversauerung: Das Gehirn von Tintenfischen ist stark betroffen

© Laurent Duclos

Eine im Juli 2026 vorgestellte Studie warnt vor einer dramatischen Auswirkung der Versauerung der Ozeane: einer massiven Verringerung des Gehirnvolumens bei Tintenfischen, die deren Jagdfähigkeit unmittelbar beeinträchtigen könnte.

Diese von Forschern der Acadia-Universität und der Academia Sinica durchgeführten Voruntersuchungen zeigen, dass bereits eine einfache Senkung des pH-Werts, wie sie für das Jahr 2100 prognostiziert wird, das Gehirn dieser Kopffüßer ? die doch für ihre Intelligenz bekannt sind ? um fast die Hälfte schrumpfen lassen könnte.

Ein um 49 % verkleinertes Gehirn unter simulierten Bedingungen

Um die künftigen Bedingungen im Ozean nachzubilden, haben Wissenschaftler Tintenfische (Sepioteuthis lessoniana) ab dem Schlüpfen in zwei unterschiedlichen Umgebungen aufgezogen: in einem Becken mit dem aktuellen pH-Wert (8,2) und in einem zweiten mit einem pH-Wert von 7,8, der den Klimaprognosen für das Ende des Jahrhunderts entspricht.

Nach 90 Tagen ergaben bildgebende Untersuchungen ein auffälliges Ergebnis: Die Personen, die angesäuertem Wasser ausgesetzt waren, wiesen ein um 49 % kleineres Gehirn auf als die Kontrollgruppe. Ihr körperliches Wachstum war jedoch ähnlich, was eine einfache Entwicklungsverzögerung ausschließt.

Eine Abweichung des pH-Werts von nur 0,4 reicht also aus, um eine erhebliche Veränderung im Gehirn hervorzurufen ? ein Ergebnis, das sogar die Forscher selbst überrascht hat.

Die Vision an vorderster Front

Nicht alle Bereiche des Gehirns sind gleichermaßen betroffen. Die für das Sehen zuständigen Regionen scheinen besonders anfällig zu sein:

  • Die Sehhöcker verlieren bis zu 52 % ihres Volumens.
  • Die Sehbahnen, die für die Übertragung visueller Informationen unerlässlich sind, sind um 62 % zurückgegangen.

Diese Strukturen spielen jedoch eine Schlüsselrolle beim Aufspüren und Fangen von Beute. Eine solche Veränderung könnte daher die Jagdeffizienz der Tintenfische erheblich beeinträchtigen.

Eine große ökologische Herausforderung

Diese Ergebnisse geben Anlass zu großer Sorge. Tintenfische gehören zu den intelligentesten wirbellosen Meerestieren und weisen eine Neuronendichte auf, die mit der einiger Wirbeltiere wie beispielsweise des Hundes vergleichbar ist.

Eine Verschlechterung ihrer sensorischen und kognitiven Fähigkeiten könnte weitreichende Auswirkungen auf die marinen Nahrungsketten haben, in denen sie sowohl als Raubtiere als auch als Beutetiere eine zentrale Rolle spielen.

Auch wenn diese Forschungsergebnisse noch bestätigt werden müssen, veranschaulichen sie doch konkret die potenziell tiefgreifenden Auswirkungen der Versauerung der Ozeane auf das Verhalten und das Überleben mariner Arten.

Ein weiteres Warnsignal für die Meeresökosysteme, die durch den Klimawandel ohnehin schon geschwächt sind.

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