Ein stiller Kampf
Der Film steht in der Tradition von Mikrokosmos (1996), der für seinen poetischen Einblick in die Welt der Insekten berühmt ist, überträgt diesen Ansatz hier jedoch auf die Meeresumwelt. Die Kamera fängt mit fast choreografischer Präzision die Dramen und Überlebensstrategien der Meeresbewohner ein: Hummer, Kongresse, Kraken, Krabben, Pfauen, Haie, Einsiedlerkrebse und Möwen, die alle in einem stillen Kampf gefangen sind, der vom unerbittlichen Rhythmus der Gezeiten diktiert wird.
Diese "Miniatur-Odyssee" beruht auf mehreren starken Achsen:
Ein natürlicher Ausschluss der Öffentlichkeit : wird jede Ebbe zu einer geschlossenen Bühne, auf der Beutetiere und Raubtiere um drei Stunden Überleben kämpfen.
Eine sinnliche Inszenierung : licht, Ton und Zeitlupen verwandeln das rohe Material in ein Ballett, in dem Schönheit und Grausamkeit miteinander verschmelzen.
Ökologische Lektüre : über das Spektakuläre hinaus erzählt der Film von der Zerbrechlichkeit der Küstenökosysteme angesichts der globalen Erwärmung , und betont, wie die Umweltumwälzungen die Regeln dieser Unterwasserwelt neu definieren.

Absichten der Regisseure
Die Filmemacher wollen ein radikales Eintauchen in die bretonische Steilküste ermöglichen, indem sie den Blickwinkel der Tiere selbst einnehmen und nicht den Blick aus der Vogelperspektive. Es geht darum, die Belastungen des Milieus - Hitze, Verdunstung, Salzgehalt, Sauerstoffmangel - und den dramatischen Druck, der mit zunehmender Zeit und der Verzögerung der Rückkehr des Ozeans zunimmt, körperlich spürbar zu machen. Diese formale Entscheidung ermöglicht es, ein alltägliches Naturereignis in eine Odyssee zu verwandeln, in der jedes echte Lebewesen zum Protagonisten einer eigenen Geschichte wird.
Über das Spektakuläre hinaus wirft der Film auch einen besorgten Blick auf die Zerbrechlichkeit dieses Ökosystems. Die Temperaturschwankungen, die Veränderungen des Salzgehalts und die biologischen Ungleichgewichte, die auf dem Vorland zu beobachten sind, werden als sensibler Spiegel der globalen Erwärmung dargestellt. Ohne didaktischen Diskurs lädt der Film dazu ein, sich durch Staunen und emotionale Nähe zu diesen oft verkannten Arten bewusst zu werden.
Der Estran, wie Sie ihn noch nie gesehen haben!
- Regie: Alexis Barbier-Bouvet Manuel Lefèvre
- Land: Frankreich
- Jahr: 2023
- Dauer: 91 Minuten
- Verfügbar bis zum 23.03.2026 auf Arte TV.

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